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Diskussion / Vortrag
10.09.2010 | 18:30 Uhr bis 21:00 Uhr
RLS-Regionalbüro Bayern, München
Mit Martin Fochler, Stefan Breit

Lesekreis politische Theorien heute. Teil IV - Gendertheorie

Bisher hat sich der Lesekreis in einem ersten Teil mit der „Theorie der Gerechtigkeit als Fairness“ von John Rawls, in einem zweiten Teil mit Texten von Pierre Bourdieu, Michael Vester und Elmar Hus/Ronald Bauch über die Themen „Kapitalbegriff, Konzept des Habitus, Schichtungsanalysen und Sinus-Milieus“ und in einem dritten Teil mit ökonomischen Texten von Bruno Schönfelder, Joseph Stieglitz und Paul A. Samuelson auseinandergesetzt.

Im vierten Teil unseres Lesekreises wollen wir uns die Gender-Theorie von Judith Butler (*1956) erarbeiten. Sie gilt als Urheberin des „linguistic turn“ in der feministischen Theorie. Sie gilt aber nicht nur als wichtige feministische Theoretikerin, sondern als bedeutende Vertreterin des Poststrukturalismus. Um das Konzept von Judith Butler besser verstehen zu können, werden wir auch die Theorien streifen, auf die sie ihr Gender-Konzept aufgebaut hat, wie die Sprechakttheorie von John Austin (1911-1960) und John Searle (*1932), die von Jürgen Habermas (*1929) rezipiert und von ihm zur Theorie des kommunikativen Handelns ausgebaut worden ist, den Diskurs- und Machtbegriff von Michel Foucault (1926-1984) und die psychoanalytischen Theorie in der Interpretation von Jacques Lacan (1901-1981). Wir werden aber auch die feministischen Theorien von Simone de Beauvoir (1908-1986), Luce Irigary (*1930), Monique Wittig (*1935), Julia Kristeva (*1941) kennenlernen, mit denen sich Butler kritisch auseinandergesetzt hat.

Die Gender Theorie hatte nicht nur große Auswirkungen auf Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Auch politische Konzepte z. B. in Bezug auf die Gleichstellungspolitik wurden daraufhin neu überdacht. Besonders die „Queer Politics“ ist stark von Butlers Theorie beeinflusst worden.

Butler stieß mit ihrem Buch auf starke Kritik innerhalb des Feminismus, die Butlers Verknüpfung von Postmoderne und Feminismus ablehnten und ihr vorwarfen, den weiblichen Körper nicht ausreichend beachtet zu haben. Außerdem erschwere sie die Formulierung von politischen Zielen der Frauenbewegung, indem sie das Subjekt „Frau“ als Fiktion hinstelle. Wir werden uns deshalb auch mit prominenten Kritikerinnen wie z. B. mit Seyla Benhabib, Nancy Fraser und Barbara Duden befassen.

Auch diesmal wollen wir den Stoff in der Form der textgebundenen Diskussion behandeln. Geplant sind zunächst folgende Texte:

  • Paula-Irene-Villa, Judith Butler (Campus-Einführungen), Frankfurt am Main 2003 (ganz)
  • Seyla Benhabib/ Judith Butler/ Drucilla Cornell/ Nancy Fraser (Hg.), Der Streit um Differenz. Feminismus und Postmoderne in der Gegenwart, Frankfurt am Main, 1993 (einzelne Aufsätze)
  • Barbara Duden, Die Frau ohne Unterleib. Zu Judith Butlers Entkörperung, in: Feministische Studien 11, S. 24-33.

Als begleitende Literatur empfehlen sich folgende Werke von Judith Butler:

  • Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt am Main, 1991
  • Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts, Berlin 1995
  • Haß spricht. Zur Politik des Performativen, Berlin 1998

 

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