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"Die 68er Bewegung jenseits des Starkults“

Die Sendereihe mit dem Titel „Das hat mich geprägt. Die 68er Bewegung jenseits des Starkults“ von IMEDANA e.V., Institut für Medien- und Projektarbeit  bringt Portraits von Zeitzeug_innen und Engagierten zu Gehör und zeichnet gesellschaftspolitische Entwicklungen nach.
Dabei werden Frauen als Akteurinnen angemessen gewürdigt. Zudem werden Nürnberger Zeitzeugnisse und Initiativen eine besondere Rolle spielen.

Die Sendereihe wird bei dem Nürnberger Lokalsender Radio Z ausgestrahlt und bundesweit auf der Internetseite des Bundes Freier Radios präsentiert.

Friedensbewegung und Ostermärsche

Der erste Beitrag in der Sendereihe hat den Titel „Der Ostermarsch ging den 68ern noch voraus“. Es geht also um die Zeit VOR den 68ern: Um die Friedensbewegung, die den Revolten der 68er gewissermaßen vorausging und gleichzeitig maßgeblich von den Ideen und Umbrüchen der 68er Bewegung geprägt wurde.
„50 Jahre Ostermarsch – wir bleiben dabei – Krieg löst keine Probleme“, so lautete das Motto des Nürnberger Friedensforums im April 2011. „Kampf dem Atomtod“ hatten die Protestierenden 1961 in Nürnberg skandiert.
Wir nahmen „50 Jahre Ostermarsch“ zum Anlass, die ereignisreiche Geschichte der Friedensbewegung, ihre Verknüpfungen mit der 68er Revolte und die Ostermärsche in Nürnberg in den Blick zu nehmen.
Dafür haben wir ausführlich mit Hans Joachim Patzelt gesprochen. Er ist einer der Friedensaktivisten der ersten Stunde, langjähriger Ostermarschierer in Nürnberg, Gewerkschafter und sitzt inzwischen parteilos für Offen Links im Nürnberger Stadtrat

Aufbruch und Frauenbewegung

„Die 68er waren für mich ein ungeheuerer Aufbruch –
Die Frauenbewegung und ihre gesellschaftliche Wirkung“

so lautet der Titel der zweiten Sendung.
Die Neue Frauenbewegung ging aus den 68ern hervor und brachte umfassende gesellschaftliche Veränderungen, die bis heute wirksam sind. Die feministischen Aktivistinnen rebellierten gegen Autoritäten im Allgemeinen und gegen Männerherrschaft. Sie lehnten sich gegen die Diktate von Weiblichkeit auf und rückten die Unterdrückung der Frau als Thema erstmals ins Bewusstsein.
Der Beitrag portraitiert Annemarie Rufer und macht die feministischen Aktionen gegen den §218 der 70er Jahre, die Vernetzung der Frauenprojekte und den Frauenbildungsbereich am BZ in Nürnberg zum Thema.

Feministische Visionen und die Welt der Bücher

„Wir wollten ausbrechen – raus aus dieser spießigen, miefigen Nach-Nazizeit“, beschreibt Ilona Bubeck die Atmosphäre der 50er und 60er Jahre und die Motivation, selbst politisch aktiv zu werden. Die 68erInnen hatten hehre Ziele und wollten die Welt verändern. Doch im Unterschied zur früheren Linken wollte die Neue Linke, die aus der APO (Außerparlamentarischen Opposition) nicht auf die große Revolution warten. Sie entwickelten alternative Lebensentwürfe und eine vielfältige Gegenkultur. Mit der Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen setzten Feministinnen bei der eigenen Bewegung an und kritisierten den Sexismus in der linken Szene. Sie gründeten eigenständige Strukturen und verstanden die Frauenprojekte als Teil der gelebten Utopie.

Ilona Bubeck berichtet über die Gründung des Nürnberger Frauenbuchladens, über Frauenverlage und lesbisch-schwule Kooperationen und zeichnet Entwicklungen im linken, antirassistischen und lesbischen Feminismus nach.

Aufbegehren gegen Autoritäten und Aufbau von Bürger-Netzwerken

„Die 68er waren tatsächlich ein Erlebnis, von dem ich heute noch meinen Kinder erzähle: dass es möglich ist, das System ins Wanken zu bringen“, resümiert Axel Köhler-Schnura im Rückblick.
Der Protest gegen den Vietnamkrieg brachte Ende der 60er/ Anfang der 70er Jahre auch in Nürnberg ganze Schulen auf die Straßen. Junge Menschen kritisierten die verkrusteten Strukturen auf familiärer und gesellschaftlicher Ebene und machten die nationalsozialistische Vergangenheit zum Thema. Der „Kampf gegen das System“ der 68er brachte ganz unterschiedliche Organisationen hervor und bildete später die Grundlage für die Entwicklung der Bürger-Netzwerke und die Umweltbewegung.
Axel Köhler-Schnura machte am Nürnberger Willstätter Gymnasium 1970 Abitur und studierte an der „marxistischen Kaderschmiede“ in Regensburg Betriebswirtschaft. Später war er u.a. Mitbegründer des Netzwerkes Coordination gegen Bayer-Gefahren und der Kritischen AktionärInnen.

Antiautoritäre Erziehung und die Geschichte der Kinderläden

In keinem anderen Land beschäftigte sich die 68er-Protestbewegung so intensiv mit Erziehung wie in Deutschland. Die Forderung nach einer anti-autoritären Erziehung stand in unmittelbarem Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Aus den Diskussionen um neue Prinzipien und Methoden der Pädagogik und Kinderbetreuung gingen die Kinderläden hervor. Heute verstehen sich Kinderläden zwar nicht mehr als revolutionäres Projekt, sie haben jedoch grundlegende Veränderungen im Bereich der Erziehung angeschoben.

 

Die Kinderladenbewegung bewirkte einen grundlegenden Wandel im Bereich der Erziehung. In ihrer Gründungszeit waren Kinderläden Teil der 68er Protestbewegung. Inzwischen ist die Abgrenzung zu anderen Einrichtungen fließend geworden, einen spezifischen Charakter haben die Kinderläden jedoch behalten. Ein Beitrag in der Reihe „Die 68er und die Folgen“ zur Geschichte der Kinderläden und der anti-autoritären Erziehung. Zu Wort kommen Uschi Kiechle, eine Erzieherin des Kinderladens Austraße und Syl Glawion, Mitbegründerin und ehemalige Mutter im Nürnberger KUK.

Der Arabische Frühling und Europa

Die Ereignisse des arabischen Frühlings strahlen auf die ganze Welt aus. Jahrzehntelang hieß es,
die Völker der arabischen Welt seien „demokratieunfähig“. Noch vor kurzem erschienen die
autoritären Regime unüberwindbar. Diese Annahmen lösten sich seit Dezember 2010 in Luft
auf. Zuerst in Tunesien, dann in Ägypten, schließlich in Jemen, Jordanien, Bahrain, Libyen und
Syrien erhoben sich die Bevölkerungen gegen die Regierungen. Die Menschen zeigen, dass
gemeinsamer Mut und Kampfgeist zur politischen Veränderung und zum Sturz der Herrscher
führen können. Die tägliche Armut, Ungerechtigkeiten und die allgemeine Unterdrückung
trieben die Menschen auf die Straße. Ihre Forderungen: Ein Leben in Würde, gleiche Rechte,
Autonomie und Teilhabe am wirtschaftlichen Reichtum. Die EU wird durch diese unerwartete
Revolution mit neuen Herausforderungen konfrontiert. So verlieren sie einerseits langjährige
Handelspartner, anderseits nutzen immer mehr Menschen die Gunst der Stunde, um nach
Europa zu gelangen.
Um einen ersten Gesamtüberblick über das facettenreiche Thema zu geben, lud die Rosa
Luxemburg Stiftung Brüssel in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Bayern zu einem
Seminar mit dem Titel „Vergebene Chance oder Aufbruch in eine goldene Zukunft? Europa,
Nordafrika und der Arabische Frühling“ nach Innsbruck ein.

Bericht: Der arabische Frühling und Europa

Soziale Elemente und Jugendproteste in Nordafrika

Einen ersten Überblick über soziale Elemente und Jugendprotest in den nordafrikanischen Revolutionen gab der Jurist und Publizist Bernard Schmid. Ausgangspunkt für die Revolten, die sich schließlich von Marokko über Syrien bis zu den Golfländern Bahrain und Oman zogen, war der Selbstmord eines jungen Tunesiers. Am 17. Dezember 2010 übergoss sich der 26-jährige Mohammed Bouazizi in der Stadt Sidi Bouzid mit einer brennbaren Flüssigkeit und steckte sich selbst in Brand. Als ‚illegaler’ Gemüseverkäufer war er zuvor immer wieder durch Polizeibeamte schikaniert worden, die ihm seine Ware abnahmen und

vermutlich Geld von ihm erpressen wollten. Viele junge Tunesier_innen, die sich in der gleichen Situation wie Bouazizi sahen, zog es auf die Straße. Die Protestwelle verbreitete sich schnell bis in die Hauptstadt Tunis. Immer mehr Menschen schlossen sich den arbeitslosen Jugendlichen an, darunter Anwält_innen, Schüler_innen, Studierende und Gewerkschafter_innen.

Der Charakter Tunesiens zeigt sich in einer deformierten Ökonomie. Je höher der Bildungsgrad, desto höher die Arbeitslosigkeit“, erklärte Schmid. Bildung habe für die Bevölkerung in der arabischen Welt generell einen hohen Stellenwert. Das Paradoxe sei allerdings, dass es keine Jobs für Akademiker_innen gebe. Das gleiche gelte für andere nordafrikanische Nationen. Vor allem wehrten sich die Menschen jedoch gegen die Willkür der Behörden. So zogen ab dem 25. Januar 450.000 überwiegend junge Ägypter_innen unter dem Motto „Wir sind alle Kahled Saïd“ auf die Straßen. Diesen Namen trug ein Mann, der 2009 in Alexandria durch zivile und uniformierte Polizisten in der Öffentlichkeit todgeschlagen worden war.

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Aktuelle Situation in Ägypten

Als Grund für den schnellen Fall des Regimes nennt die Sozialwissenschaftlerin Stefanie Fischbach den „klassenübergreifenden“ Charakter des Protestes. In ihrem Vortrag über die ägyptische Revolution klärt sie zunächst über einige Mythen auf: „Sowohl die Auffassung, die Massen hätten sich spontan erhoben, als auch die Vorstellung, die ägyptische Revolution sei eine Revolution der sozialen Medien, verschleiern den Ursprung, den Verlauf und die Akteure dieser Revolution.“ Twitter und Facebook seien ab einem gewissen Zeitpunkt ein zusätzliches und unterstützendes Instrument für die dezentral organisierte Opposition gewesen. Sie ersetzten jedoch nicht den Gang auf die Straße oder die Konfrontation mit den Sicherheitskräften. Gerade die Arbeiter_innenbewegung, die nach Fischbach das Herz der Bewegung ausmache, sei selten bis gar nicht in den sozialen Medien vernetzt. Der Generalstreik von Beamten, Eisenbahnarbeiter_innen, Busfahrer_innen, Stahlarbeiter_innen, Textilarbeiter_innen, Ärzt_innen und anderen am 7. Februar 2011 gaben der Demokratiebewegung maßgeblichen Auftrieb. „Auch nach dem Sturz Mubaraks gingen die Streikaktivitäten, die von den Gewerkschaften unterstützt wurden, ununterbrochen weiter. In manchen Betrieben, deren Besitzer im Laufe der Revolution aus Ägypten geflohen waren, wird die Produktion von den Arbeiter_innen selbst organisiert und fortgeführt“, erklärt Fischbach. Ihr Fazit: „Die Arbeiter_innenbewegung und der weitere Verlauf der ägyptischen Revolution sind untrennbar miteinander verbunden. Sollte es den Arbeiter_innen nicht gelingen ihr ökonomischen und sozialpolitischen Ziele durchzusetzen, werden sich Millionen betrogen fühlen.“

Revolution in Jemen

Auch eines der ärmsten Länder der arabischen Welt geriet in den Sog der revolutionären Ereignisse. Der Nahostexperte Fritz Balke wies in seinem Vortrag über die Revolution im Jemen darauf hin, dass es wie in den anderen Ländern auch die wirtschaftliche und soziale Krise, die Arbeitslosigkeit und die fast 33-jährige Alleinherrschaft des Präsidenten Ali Abdallah Saleh gewesen seien, die zum Aufstand der Menschen führten. Jemen habe jedoch seine Besonderheiten: So könne von einem konservativen Norden und einem ehemals sozialistisch orientierten Süden des Landes gesprochen werden. In den meisten Regionen sei das Land noch heute eine Stammesgesellschaft: Schiiten im Norden und Sunniten im Süden. „Das ist auch ein Hintergrund der seit Jahren andauernden bewaffneten Auseinandersetzungen und Bürgerkriege“, erklärt Balke. Aber auch die geostrategische Lage am Horn von Afrika und dem Zugang zum Suez-Kanal sei bedeutungsvoll. Auch wenn Präsident Saleh ein fragiles Gleichgewicht zwischen Armee, Stämmen und politischen Parteien herstellte, scheuten sich die Menschen nicht, seinen Sturz zu verlangen: Als bekannt wurde, dass der Präsident sich durch eine Verfassungsänderung auf Lebenszeit wählen lassen wollte, strömten die Jemenit_innen auf die Straße. Seine Versuche, die friedlichen Demonstrationen mit Gewalt einzudämmen, fruchteten nicht. Als Saleh bei einem Granatenangriff auf den Präsidentenpalast verletzt wurde, flog er in Begleitung seiner Familie nach Saudi-Arabien, um sich behandeln zu lassen. Noch immer weigert er sich zurückzutreten.

Revolution in Syrien

Auf die Situation im Syrien ging die Islamwissenschaftlerin Daniela Glagla ein. Hier zeichne sich ein blutiger Protest ab, denn die syrischen Sicherheitskräfte gingen brutal gegen die Demonstrant_innen vor. Die ließen sich jedoch nicht abschrecken: Seit Monaten protestieren die Syrer_innen gegen die Regierung unter Präsident Baschar al-Assad. „Die Bewegung richtet sich gegen Unfreiheit, Ungleichverteilung, schlechte Bildungsmöglichkeiten, Perspektivlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt und Korruption“, sagt Glagla. Mit brutaler Gewalt würden die syrischen Sicherheitskräfte gegen die Opposition vorgehen. Inzwischen seien Tausende vor der Gewalt auf der Flucht in die Türkei.

Europäische Migrations- und Sicherheitspolitik

Aber nicht nur ökonomische Interessen stehen im Blickpunkt der EU. Seit den Protesten in Nordafrika werden die Menschen in Europa durch die Medien mit dem Bedrohungsszenario der Überflutung durch Flüchtlinge konfrontiert. Miriam Edding, Vorstandsmitglied der Stiftung :do , berichtet über eine Recherche-Reise nach Tunesien. Die dort geführten Gespräche hätten klar gezeigt, wie eng die Forderung nach sozialen und politischen Rechten mit der Forderung nach Bewegungsfreiheit verknüpft sei. „Statt des notwendigen Bruchs mit der alten EU-Strategie, autokratische Despoten mit viel Geld zu Wachhunden der EU-Außengrenzen zu dressieren, ist zu beobachten, dass die EU ihre Politik gegen Flüchtlinge noch verschärft“, so Edding und führt die Wiederaufnahme von Grenzkontrollen in Dänemark und die Krise des Schengen-Abkommens als Beispiel an. Auf den Versuch der Revolutionsbewegungen in Nordafrika, ihre Gesellschaften zu demokratisieren reagiere die EU paradoxerweise mit einer Verschärfung des undemokratischen Grenzregimes und einem ausgeweiteten Mandat für die Grenzschutzagentur Frontex. Seit Ausbruch des Kriegs in Libyen und dem Versuch vieler Kriegsflüchtlinge, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, sind bisher über 1.500 Menschen ertrunken. In dem Flüchtlingslager Choucha an der Grenze zu Libyen sitzen 4000 Flüchtlinge – überwiegend aus den Bürgerkriegsländern Subsahara-Afrikas wie Somalia, Eritrea und dem Sudan – fest. „Die Menschen können weder vor noch zurück und brauchen dringend eine schnelle Aufnahme in Europa“ warnt Edding. Auch der UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) hat Europa dringend gebeten, bis zu 15.000 Flüchtlinge aufzunehmen – bisher ohne Erfolg.

 

Lorenz Krämer, innenpolitischer Referent von Cornelia Ernst (MEP) ging auf Probleme der umstrittenen ‚Agentur’ ein: „Migration wird grundsätzlich als Bedrohung gesehen: für innere Sicherheit, öffentliche Gesundheit usw.“ Außerdem gebe es kaum öffentliche oder parlamentarische Kontrollmöglichkeiten. „Das Europäische Parlament kann die Kommission befragen, mehr nicht“, erklärte Krämer. Strittig wäre auch die Zuständigkeit für den Schutz von Grundrechten: „Frontex schiebt die Verantwortung auf den Rat, der wiederum hält die Kommission für zuständig.“ Auch Regelungen für legale Einreisen seien bis heute nicht festgesetzt. „Ebenso wenig gibt es brauchbare Regelungen für den gemeinsamen Umgang mit Asylsuchenden.“

Krieg in Libyen

Das Verhalten der EU im Libyen-Krieg analysierte Erhard Crome, Spezialist für Friedens- und Sicherheitspolitik der Rosa Luxemburg Stiftung. Er stellte die These auf, dass die angreifenden Mächte, USA, England, Kanada und Frankreich, nicht auf den Schutz der libyschen Zivilbevölkerungen abzielen, sondern auf den Wechsel des politischen Systems in Libyen. Es sei jetzt der dritte Krieg des Westens seit 2001 in der muslimischen Welt nach dem Afghanistan und dem Irakkrieg. Obwohl Libyen zu den reichsten Ländern Afrikas gehöre und die Bevölkerung unter Gaddafi von 1,9 (1970) auf 6 Millionen (heute) Einwohnern angewachsen ist, forderten die Menschen in Massenprotesten den Rücktritt des Präsidenten. „Die Gründe: Das Land ist der achtgrößte Ölproduzent der Welt und hat hohe Einkünfte aus der Erdöl- und Erdgasförderung, im Grunde gibt es jedoch keine inländische Industrie“, erklärte Crome. Etwa 28 Prozent der Bevölkerung seien zwischen 15 und 24 Jahre alt, dreißig Prozent von ihnen arbeitslos. Hinzu käme, dass das innenpolitische System, das über 24 Jahre geschaffen wurde, autoritär sei. „Die Opposition wurde rigide unterdrückt, die Medien von der Regierung kontrolliert…Die, die den Krieg führen sind die Verlierer der Weltwirtschaftskrise“, wies Crome hin. Deutschland stehe auf der Seite der Gewinner, egal wie der Krieg ausgehen würde. Von Interesse seien nicht die Menschen, sondern ökonomische und geostrategische Gesichtspunkte.

Die USA und die EU „suchen zumindest auf der politisch-diplomatischen und symbolischen sowie militärischen Ebene den Schulterschluss, wenn es um die Konkurrenz mit China, Russland und anderen Staaten geht.“

Sozialfunk

Vom 01. März bis 31. August sendete die Sozialfunk Redaktion regelmäßig jeden Montag ab 17:30 Uhr im Rahmen des Magazins Stoffwechsel bei Radio Z

Jede Folge von Sozialfunk besteht generell aus zwei Teilen:

Einmal die Sozialfunk-Nachrichten, die aktuelle Meldungen im sozialen Bereich bringen. Diese werden im wöchentlichen Wechsel von den beteiligten Ehrenamtlichen und Gruppen zusammengestellt, gelesen und aufgenommen. Das Spektrum der Nachrichten umfasst u.a. Themen wie Arbeitslosigkeit, Hartz IV-Politik, lokale Sozialpolitik, Flüchtlingspolitik und Migration, Arbeitswelt und Lohnpolitik, Drogenproblematik, Gesundheitspolitik oder weltweite soziale Bewegungen.

Zum Zweiten wird in einem Interview, einem Bericht, einem Kommentar oder einer Reportage ein aktuelles Thema ausführlich behandelt, gelegentlich sind es sogar zwei Themen. An diesen themenbezogenen Beiträgen arbeiten neben dem koordinierenden Redakteur die genannten Gruppen sowie weitere ehrenamltiche Mitarbeiter_innen mit.

"Der machbare Frauenkörper?!"

"Hauptsache schön" - dieses Ideal stellt zugleich eine weithin herrschende Norm dar, die vor allem Mädchen und Frauen in unserer Gesellschaft betrifft. Dabei beeinträchtigen Schönheitsideale das Wohlbefinden und oftmals auch die Gesundheit. Die Veranstaltungsreihe "Der machbare Frauenkörper?!" will zur Stärkung selbstbestimmter Körperbilder beitragen.

Die Hälfte der jungen Frauen im Alter von 16/17 Jahren sind mit ihrem Aussehen unzufrieden. Immer massiver beeinträchtigen Werbung und herrschende Normen das Selbstbild und das Verhalten vor allem von Mädchen und Frauen. Dabei kann die Orientierung am Mode-Diktat negative Folgen für das physische und psychische Wohlbefinden haben bis hin zu Suchterkrankungen und unnötigen Operationen. der kommunale Arbeitskreis "Frauen und Gesundheit" hat diese Situation zum Anlaß genommen, "Vorträge und Workshops zur Stärkung eines selbstbestimmten Körperbildes" zu organisieren. Meine Kollegin Michaela Baetz sprach mit Bettina Faulstich vom Frauen und Mädchen Gesundheitszentrum und mit Elisabeth Benzing vom Arbeitskreis Frauen und Gesundheit im Berufsverband der Heilpraktikerinnen Lachesis e.V.

Betreuung von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen

Minderjährigen Flüchtlingen, die ohne Begleitung ihrer Eltern in Deutschland angekommen sind, nimmt sich in Mittelfranken u. a. der Verein Wohngemeinschaft für Flüchtlingskinder Nürnberg e. V. an. Ein Mitarbeiter des Vereins hat uns von seiner Arbeit erzählt.

Geschätzte 6.000 bis 10.000 gibt es in Deutschland, 120 von ihnen leben in Nürnberg: unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern oder andere Verwandte hierzulande angekommen sind. Als Asylsuchende sind sie eh schon vielen Repressalien ausgesetzt, im jugendlichen Alter werden sie aber mit zusätzlichen Problemen konfrontiert. Ohne familiäres Netzwerk und rechtlich unmündig müssen sie sich im deutschen Asylverfahren und im hiesigen Alltag zurechtfinden. Hilfe bekommen sie in Nürnberg von einigen karitativen Organisationen. Eine von ihnen ist der Verein Wohngemeinschaft für Flüchtlingskinder Nürnberg e. V., der sich den unbegleiteten Jugendlichen annimmt. Der Sozialpädagoge Ludwig Brandt ist einer der Mitarbeiter des Vereins, Tobias Lindemann sprach mit ihm über seine Arbeit.

ANA zu Unterkunftskosten für Langzeitarbeitslose

Die Mieten in vielen deutschen Kommunen sind hoch und steigen weiter. Etlichen Langzeitarbeitslosen droht der Verlust ihrer angestammten Wohnungen, da sie durch die Hartz IV-Gesetze nur eine Miete im Rahmen des Wohngeldes bezahlen dürfen. Wird es also bald auch in anderen Städten ghettoartige Wohnsiedlungen für arme Teile der Bevölkerung geben, wie sie im Moment schon in Berlin zu entstehen drohen? Dazu ein Kommentar von Werner Schäfer, er ist aktiv beim Aktionsbündnis Nürnberger Arbeitsloser (ANA).

Uniklinik Erlangen droht streikenden Azubis mit Strafe

Anfang März 2011 rief die Gewerkschaft ver.di zu Warnstreiks auf, nachdem in den momentanen Tarifverhandlungen kein Entgegenkommen der Arbeitgeberseite abzusehen ist. Auch am Uniklinikum in Erlangen wollten die Azubis streiken, doch die dortige Krankenpflegeschule versuchte die Teilnahme durch angedrohte Sanktionen zu verhindern. Näheres dazu in einem Interview mit ver.di-Jugendsekretärin Jaana Heider.

Natürlich gehen auch Auszubildende zum Streik und kämpfen nicht nur für bessere Gehälter, sondern auch für eine gesicherte Übernahme nach der Ausbildung. Krankenpflege-Azubis haben aber immer wieder Probleme, am Streik teilzunehmen. Die für sie zuständigen Krankenpflegeschulen versuchen, sie mit möglichen Repressalien einzuschüchtern. So auch geschehen am Uniklinikum Erlangen, wo die Schulleitung diverse Strafen bei Teilnahme am Streik androhte. Mehr dazu erfuhr Sozialfunk-Redakteur Tobias Lindemann von Jaana Heider, sie ist Jugendsekretärin der Gewerkschaft ver.di im Bezirk Mittelfranken.


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